Solar Guitars A1.7etc

Solar Guitars A1.7etc

Manchmal wird man doch eines Besseren belehrt. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, für wie viele professionelle Anbieter der Gitarrenmarkt noch Platz hat. Eigentlich sollte man meinen, dass der kommerzielle Bereich längst abgedeckt ist, aber hin und wieder wird man doch überrascht. So gelang es zum Beispiel der im Jahr 2017 gegründeten Firma Solar Guitars durch die mittlerweile schon Maintream-hafte Präsenz extremer Metal-Richtungen und der stetigen Bewerbung durch den schwedischen Inhaber und YouTuber Ola Englund, eine stetig wachsende Gemeinde von Usern aufzubauen, ohne dass man auf den ersten Blick ein Alleinstellungsmerkmal erkennen kann. Inwieweit sich doch einige Besonderheiten in der Konstruktion der Marke befinden, soll der Test der Solar Guitars A1.7C G2 zeigen.

Schaut man sich die Artist Seite auf der Solar Guitars Website an, wird die Zielgruppe des Herstellers eindeutig definiert. Von melodiösem Powermetal bis hin zu grunzendem Rülpsmetal ist alles vereint, was sich unter der Stilrichtung „Metal“ finden lässt. Umso mehr verwundert es, dass sich die präferierte Korpusform, neben einer obligatorischen Explorer- und Flying V Form, als klassische Powerstrat im Stil der Ibanez RG Serien widerspiegelt. Vielleicht spielt auch die Transportabilität eine Rolle, wer einmal versucht hat, etwas B.C.Rich-Artiges ohne passenden Formkoffer zu transportieren, weiß wovon ich rede.

Solar

So kommt die zum Test vorliegende Solar Guitars A1.7C G2 optisch vergleichsweise dezent daher, wenngleich das matt-schwarze Finish in Kombination mit 2 explizit ausgeführten Shapings im Cutaway Bereich einen Hauch von SciFi-Attitüde aufkeimen lässt. Ein kurzer Blick auf die Graphit-Sattelbreite von 48 mm und die Anzahl der Solar-Locking 18:1-Mechaniken, bei diesem Instrument handelt es sich um eine 7-saitige Gitarre. Ein interessanter Schachzug, hat dieser Typ Instrument doch seit seines Zenits durch den Hype um die Nu-Metal-Band Korn Mitte der Neunziger stetig an Interesse bei den Usern verloren. Wer heute den tiefen Ton sucht, greift aus Übersichtlichkeitsgründen entweder zu einer tiefer gestimmten Standard-Gitarre, eventuell auch Bariton-Gitarre oder aber er springt auf den Djent-Zug auf und widmet sich der haptischen und harmonischen Herausforderung eines 8-saitigen Instruments.

Test: Solar Guitars A1.7c G2, E Gitarre

Gefertigt wird das mit einem Ladenpreis von 1.159, - Euro gelistete Instrument wie viele andere Konkurrenten aus dem unteren und mittleren Preissegment in Indonesien, das China im Gitarrenbau längst den Rang abgelaufen hat. An Auswahl soll es dem vergleichsweise jungen Unternehmen nicht mangeln, nimmt man alle Finish-Varianten, Linkshänder und Bässe mit ins Boot, kommt man auf eine stattliche Auswahl von über 150 verschiedenen Modellen. Wie viele davon jedoch ständig lieferbar sind, kann man wohl nur im örtlichen Shop in Erfahrung bringen.

In Sachen Holzauswahl geht das Unternehmen sehr konventionell zu Werke. Das Instrument besitzt einen durchgehenden Hals aus Ahorn, der bekanntermaßen ein sehr gutes Sustain gewährleistet und sich im Bezug auf die verbaute Evertune-Bridge als gute Ergänzung erweist. Das Halsprofil wird in den Unterlagen als C beschrieben, meines Erachtens handelt es sich aber eindeutig um ein kräftiges D, allein schon weil ein C im 7-Saiter-Bereich vom Griffradius her einige Einschränkungen mit sich bringen würde.

Für alle, die das Evertune-System noch nicht kennen, hier eine sehr kurze Zusammenfassung der Wirkungsweise. Es handelt sich bei dem System um eine weltweit einzigartige Brückenkonstruktion, die mittels einer aufwändigen Federkonstruktion das Instrument bei perfekter Justierung automatisch in Tune hält. Man kann das System so einstellen, dass es den anvisierten Ton immer hält und so zum Beispiel Bendings ignoriert bzw. ausgleicht oder aber man gleicht die Federspannung der Saitenspannung so an, dass Bendings mitgenommen werden können.

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Neben dem Vorteil, dass das System Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgleicht, hat es auch den Vorteil, dass ungeübte Musiker, die den Saitendruck ihrer linken Hand (noch) nicht unter Kontrolle haben, dennoch bei Aufnahmen über eine einwandfrei gestimmte Gitarre verfügen, so dass man in nahezu jedem hochwertigen Mietstudio eine oder mehrere Gitarren mit diesem System findet. Der Nachteil des Systems liegt darin, dass aufgrund der großen Fräsarbeiten das Instrument an Sustain verliert und sich Bendings und Vibrati selbst bei perfekter Justierung etwas indirekter anfühlen als bei einem Stop-Tailpiece. Zudem ist die erstmalige Einstellung des Systems sehr aufwändig und muss bei jedem Wechsel der Saitenstärke erneut vorgenommen werden.

Um dem Korpus die nötige Form zu verleihen, wurden Flügel aus Erle verleimt. Um das allgemein schwarze Finish zu unterstützen, wurde ein Griffbrett aus Ebenholz verwendet, das über 24 Jumbo-Frets verfügt und an den Seiten mit fluoreszierenden Dot-Inlays versehen wurde. Auf Inlays auf dem Griffbrett wurde verzichtet, lediglich das auffällige Solar Guitars Logo wurde aus Marketing-Gründen auf dem 12. Bund platziert. Um der tiefen B-Saite einen definierteren Attack zu verschaffen, erhielt das Instrument eine überlange Mensur von 673 mm, was die Saitenspannung im Vergleich zur langen Standard-Mensur etwas erhöht. Die Solar Guitars A1.7C G2 verfügt über 2 von Seymour Duncan hergestellte Humbucker, die über einen leider etwas indirekten und leicht wackeligen 5-Wege-Schalter gesteurt werden. Dazu gesellen sich ein Mastervolume- und ein Mastertone-Regler.

Test:

Was während des ersten Anspielens direkt auffällt, ist das trotz der starken Evertune Bridge Ausfräsungen und der damit verbunden Gewichtsreduzierungen hohe Gewicht. Mit ca. 3, 8 kg ist das Instrument zwar noch weit vom Achtziger Les Paul Knüppel entfernt, liegt aber deutlich über der typischen Powerstrat-Gewichtsklasse, die sich meistens knapp oberhalb von 3 kg bewegt. Trotzdem lässt sich das Instrument gut handhaben, was nicht zuletzt der guten Ergonomie geschuldet ist. Bis auf die spitzen Cutaway-Enden besitzt die Gitarre eine „fließende“ Form, die über keinerlei Ecken oder Kanten verfügt. Auch das vergleichsweise breite Griffbrett lässt sich gut greifen und bietet über den gesamten Griffbereich einen hohen Spielkomfort.

Solar Guitars A1.6etc Test

Erwartungsgemäß werden User, die erstmals eine Evertune-Brücke auf einem Instrument erkunden, dieser mit kräftigem Stirnrunzeln begegnen. In der Werkseinstellung ist das Instrument auf „maximale Stimmstabilität“ eingestellt, soll heißen, die Gitarre kommt gestimmt aus dem Transportkarton und verstimmt sich während der gesamten Spielzeit nicht mehr. Was auf den ersten Blick einen echten Freudentaumel erzeugt, weicht bei den ersten Leads einem panischen Gesichtsausdruck. Bendings? Vibrato? Alles tot! Der Ton bleibt in Sachen Frequenz, wo er ist, egal was man mit der Saite macht. Erst bei sehr starkem Ziehen springt der Ton schlagartig auf den nächsthöheren Halbton, um einen Millimeter weiter bereits einen Ganzton nach oben zu springen. Ein gleichmäßiges Annähern des Tons durch Saitenziehen ist nicht möglich.

Der Fairness halber muss ich allerdings vermerken, dass ich persönlich eine VGS-Gitarre mit dem Evertun- System besitze, das auf „reguläres Saitenziehen“ eingestellt ist und losgelöst von meinem 013-056 Saitensatz in Standard-Tuning gut mit dem normalen Spiel klarkommt. Ich habe die Solar Guitars A1.7C G2 allerdings in der Werkseinstellung belassen, da die Umstellung des Systems auf meine Bedürfnisse ein mehrstündiges Prozedere ist, sich aber problemlos machen lässt.

Solar

Klanglich deckt die Solar Guitars A1.7C G2 alles ab, was man nicht nur, aber primär im Metal haben möchte. Der Fokus liegt auf Gain, mehr Gain und High-Gain, zumal sich die klassischen Palm-Muted-Attacken aufgrund der Vibratosystem-freien Brückenkonstruktion gut umsetzen lassen. Die Pickups haben ebenfalls einen sehr starken Höhenanteil, um die Aggression des Tons nochmals zu featuren, Will man tatsächlich nur den Rhythmus-Knüppel geben und hat keine Ambitionen, sein Spiel mit ausdrucksvollen Licks anzudicken, kommt man sogar mit der Werkseinstellung der Evertune-Bridge im typischen Thrash- etc. Bereich bereits sehr weit und braucht zudem in keiner Weise auf die Griffkultur seiner Greifhand zu achten. Allerdings offenbart sich je nach verwendeter Tonart ein Problem, wie man es auch von nicht abgedämpften Vibratofedern eines Floyd Rose Vibratosystems her kennt. Bei hartem Anschlag trifft man die Resonanzfrequenz der Evertune-Federn, was sich ein wenig anhört, als wenn man eine Hallspirale zusätzlich benutzen würde. Bei mir war es die Tonart „E“, sehr gut am Ende des Klangbeispiels 04 zu hören, wie die Federn weiterschwingen, obwohl alle Saiten abgedämpft werden.

Factory Installations • Evertune Guitar Gallery

Mit der Solar Guitars A1.7C G2 hat die Firma um YouTuber Ola Englund eine gute Gitarre mit guten Komponenten am Start. Die auf „Knüppel-aus-dem-Sack“ getrimmte 7-Saitige ermöglicht sowohl im Tief- als auch im Hochtonbereich eine entspannte Spielweise und sollte jeden Bereich der Hard’n’Heavy-Fraktion zufriedenstellen. Inwieweit das Evertune-Bridge-System dem eigenen Spielstil entgegenkommt oder ihn gegebenenfalls behindert, muss jeder Musiker für sich selber herausfinden.

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Solar Guitars A1.6frc G2

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Axel Ritt studierte Musik + Architektur und arbeitet seit nunmehr 40 Jahren als professioneller Musiker und Tonmeister für die Bands GRAVE DIGGER, HELLRYDER, DOMAIN und MONSTERGROOVE.

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